
Typ B 72, eines der ersten Einbaugeräte,
war die "bewegliche UKW-FM-Sprech-
station" von TeKaDe (Quelle: Museums-
stiftung Post und Telekommunikation)
Mit Konrad Adenauer begann alles: Der "Mobil"-Funk hielt Einzug in der noch jungen Bundesrepublik. Mit "Fräulein vom Amt" und in 136 Funkverkehrsbereichen konnte der Bundeskanzler damals seine Gesprächspartner erreichen. Mit einer monatlichen Grundgebühr für den "Handyvertrag" in Höhe von etwa 8000 DM, wenn man in der ganzen Republik erreichbar sein wollte, war dies allerdings kein ganz billiges Vergnügen. Kaufkraftbereinigt entspricht dies etwa 12.000 €! Konrad musste damals noch wissen, in welcher "Zelle", also in welchem Funkverkehrsbereich sich sein Gesprächspartner aufhielt – einfach anrufen war nicht.
Mit dem B-Netz fielen die Preise, erst 270 dann 120 DM (Heute kaufkraftbereinigt etwa 260 bzw. 120 €). Endlich wurde Roaming in den Nachbarstaaten möglich. Die Geräte waren immer noch nicht wirklich erschwinglich, unter (heutzutage) 18.000 € gab es keinen Festeinbau.
Im B-Netz war schon Selbstwahl möglich.
(Quelle: Museumsstiftung Post und
Telekommunikation))
Ab 1986 befand sich das C-Netz im Wirkbetrieb und man konnte anfangs für 100 und später für "nur noch" 19 DM im Monat mobil telefonieren. Die Minutenpreise lagen noch satt oberhalb der 2 DM-Grenze.
Mit Einführung des D-Netzes im Jahr 1992 begann dann auch die Zeitrechnung des Massenphänomens "Handy". Mit Tarif-Strukturen wie wir sie heute kennen und Preisen, die zumindest nicht mehr weit von den schlimmsten Handytarifen heutzutage entfernt sind.
Erst nach 1992 machte die damalige Mannesmann Mobilfunk unter Ihrer Marke "D2 privat" der DeTeMobil Konkurrenz – und es begann das unselige Wettrennen um den kompliziertesten Handytarif.
Über Umwege kamen die Service-Provider wie etwa mobilcom und debitel auf die Idee als Reseller für Netzminuten mit den eigentlichen Netzbetreibern zu konkurrieren. Spätestens als auch die Reseller anfingen neue Vermarktungswege für den Mobilfunk zu entwickeln wucherte der Tarifdschungel vollkommen enthemmt. Jeder musste sich von jedem abheben, in Wirklichkeit gab es für die Service-Provider aber nie die Möglichkeit sich wirksam abzugrenzen und dem Kunden einen echten Mehrwert zu bieten.
Die heutige Vodafone Deutschland unter
Ihrem damaligen Namen, aber schon im
"Am Seestern 1" in Düsseldorf.
Deshalb blieben die Preise im deutschen Mobilfunkmarkt bis in das Jahr 2005 relativ stabil.
Schließlich verlor E-Plus die Nerven und begann über die Zweitmarke "Simyo" einen Mobilfunk-Preiskampf, der die Branche pro Jahr etwa zwölf Prozent Marge kosten sollte. Mittlerweile sind wir bei Handverträgen ohne Grundgebühr und 10 Cent pro Minute in alle Netz und zu jeder Uhrzeit angekommen.
Den Netzbetreibern fällt es enorm schwer, mit diesen Kampfpreisen zu konkurrieren. So hat Simyo etwa drei Dutzend Mitarbeiter, T-Mobile hat alleine in Deutschland über 7000 Mitarbeiter. Dies führt zu der Notwendigkeit die sichtbaren Handytarif-Bestandteile marktgerecht zu bepreisen, und weniger sichtbare Preistreiber wie etwa die Taktung und Roaming-Preise zu erhöhen oder für den Kunden ungünstiger zu gestalten. Aktuelle Entwicklungen wie UMTS und Fernsehen auf dem Handy sorgen auch weiter für komplexe Handytarife.
Die Discount-Handytarife
gewinnen praktisch alle Tarif-
vergleiche für Konsumenten.
Untersuchungen von Prof. Skiera, Inhaber des Lehrstuhls für e-Commerce der Universität Frankfurt und der telfish GmbH gehen davon aus, dass viele Nutzer in den für sie nicht optimalen Handytarifen sind und sie durch einen Wechsel bis zu 50% sparen könnten. Legt man ein konservatives Sparpotenzial von 30% und den Gesamtumsatz der Branche in Höhe von etwa 30 Mrd. € pro Jahr zu Grunde führt dies zu einem Sparpotenzial in Höhe von etwa 9 Mrd. € - pro Jahr!